Ungleiche Kirchtürme, Türmerstuben, das älteste Chorgestühl Deutschlands, gigantische Dachstühle, Gräber von Herzögen, eine verdrehte Turmspitze und in jedem Fall Orte für Ruhe und Besinnung – das sind die Kirchen in den Fachwerk5Eck-Städten. Es gibt einiges zu entdecken.

 

Duderstadt: Die Türme der Basilika St. Cyriakus

Beim nächsten Stadtspaziergang durch Duderstadt sollten Besuchende Ihren Blick einmal nach oben richten. Die zwei Türme der mächtigen Basilika St. Cyriakus sehen von Weitem zwar identisch aus, jedoch weisen sie beim näheren Hinschauen einige Unterschiede auf.

Ursprünglich besaß die Kirche nur den nördlichen Turm, welcher damals stolze 62,50 Meter in den Himmel ragte. Von dort aus hielt der Stadtwächter ein wachsames Auge über die umliegenden Warten.

Der südliche Turm war tatsächlich von Anfang an geplant, wie der Grundriss des Westwerks verrät. Doch aus unbekannten Gründen blieb seine Ausführung im Mittelalter aus. Erst der verheerende Brand von 1852, dem das Kirchendach und die Spitze des nördlichen Turms zum Opfer fielen, brachte eine Veränderung. Inmitten des Wiederaufbaus nach dem Brand erhielt der alte Turm endlich seinen lang ersehnten Partner. Nach mehr als 600 Jahren wurde der südliche Turm dem Ensemble hinzugefügt.

Heute erstrahlen die vergoldeten Turmknäufe in 65 Metern Höhe weit über die Stadtgrenzen hinaus. Während der eine das Kreuz trägt, dient der andere als Wetterfahne in Form eines Hahns.

Fotos:  ©Stadt Duderstadt

Die Stiftskirche St. Alexandri und der Ursprung der Stadt Einbeck

Einbeck genießt Bekanntheit als Stadt des Bieres. In der Tat war hier der Gerstensaft im Spätmittelalter und in der Frühneuzeit eine Haupteinnahmequelle. Die haltbaren Einbecker Biere wurden weit über den deutschsprachigen Raum hinaus exportiert. Seine verkehrsgünstige Lage am Kreuzungspunkt wichtiger Straßenverbindungen verschaffte dem Ort allerdings auch einen wichtigen Rang unter den mittelalterlichen Handelsstädten. Die Wurzeln der Stadt liegen jedoch nicht in Handel und Brauwesen, sondern in einem Hof der Grafen von Katlenburg. Graf Dietrich II. gründete hier zu Ehren des Heiligen Alexander 1082 das Kollegiatstift St. Alexandri.

Ganz im Norden der Einbecker Altstadt wurde seit Ende des 13. Jahrhunderts die mächtige Stiftskirche St. Alexandri errichtet. Die gotische Kirche entstand in mehreren Etappen, bis nach 1500 die Arbeiten am Westbau eingestellt wurden. Dieser war sogar als wuchtige Doppelturmfront angelegt, dies blieb aber unvollendet. Die aus rötlichem Wesersandstein errichtete Hallenkirche gehört heute zu den bedeutendsten Baudenkmälern Einbecks.

In der Stiftskirche gibt es unter anderem diese Besonderheiten:

  • Der spätgotische Radleuchter aus dem Jahr 1420, auf dem im Wechsel Apostel und Propheten dargestellt sind. Wann die Bemalung des Radleuchters stattfand ist unklar. Außerdem scheint dieser Radleuchter das einzig verbliebene Stück dieser Art aus der Zeit der Gotik in ganz Deutschland zu sein.
  • Die Heiligblut- bzw. Taufkapelle mit Reliquienschrank und einem gotischen Taufbecken aus dem Jahr 1427, die dank einer bedeutenden Heilig-Blut-Reliquie Einbeck für einige Zeit zum Wallfahrtort machte. Diese Reliquie sollte 1675 an den damaligen Landesherren Herzog Johann Friedrich ausgeliefert werden und gilt seit jener Zeit als verschollen.
  • Das Chorgestühl, dass dank der Inschrift ANNO D(OMI)NI MCC L XXXVIII […] als ältestes Chorgestühl Deutschlands datiert werden kann. Es umfasst auf jeder Seite neun Sitzgelegenheiten mit Schnitzarbeiten.

 

Foto 1 ©: Einbeck Tourismus, Foto 2 und 3 ©: Wolfgang Kampa

 

St. Blasius Kirche in Hann. Münden: Ein imposantes Bauwerk im Herzen der Altstadt

Diese prachtvolle Hallenkirche St. Blasius in Hann. Münden ist ein Highlight der Stadt und begeistert mit einzigartiger Architektur und reicher Geschichte.

Ein paar interessante Fakten:

  • Die Kirche wurde im Laufe des 13. bis 16. Jahrhunderts erbaut und vereint romanische und gotische Elemente.
  • Im Inneren beeindruckt ein Kreuzrippengewölbe mit achteckigen Pfeilern.
  • Besondere Schätze sind ein Bronze-Taufbecken von 1392, ein mittelalterlicher Flügelaltar und ein Fresko aus dem Jahr 1519.
  • In der Kirche befindet sich auch das Grabmal von Herzog Wilhelm dem Jüngeren.

Ein weiteres Highlight ist der Dachstuhl, welcher während einer Führung besichtigt werden kann:

Kirchturmführung St. Blasius – für alle, die hoch hinaus wollen!

Der 58 Meter hohe Turm belohnt mit einer grandiosen Aussicht über die Dächer der Stadt. Der Dachstuhl der St. Blasiuskirche und die Türmerwohnung können bei dieser Führung ebenfalls besichtigt werden. Die Führung ist anfragbar über die Erlebnisregion Hann. Münden.

St. Sixti-Kirche in Northeim – die Kirche mit dem gedrehten Turmhelm

Egal aus welcher Richtung man sich Northeim nähert – immer ist es der 62 Meter hohe Turm der St. Sixti-Kirche, der das Panorama schon aus der Ferne prägt. Er ist besonders auffällig durch seinen gedrehten Turmhelm. Weshalb dieser Turm gedreht ist, dazu gibt es unterschiedliche Theorien: Von „Pfusch am Bau“, über Witterungseinflüsse oder der so von den Zimmerleuten gewollten Drehung  bis hin zum Einfluss des Teufels, reichen die Erklärungen.

Im Inneren frisch saniert, ist die dreischiffige Kirche erstaunlich groß und mit mächtigen Säulen und kunstvollen Gewölben ausgestattet. Auffällig sind vier Passionsfenster auf der linken Seite des Kirchenschiffs – Glasmalereien aus dem Jahr 1478, die die Passionsgeschichte zeigen. Die spätbarocke Kirchenorgel wurde in den Jahren 1721-1734 vom Orgelbauer Johann Hinrich Gloger errichtet.

Die Kirche ist seit 25 Jahren von April bis Oktober verlässlich geöffnet und damit für Gäste ein Ort der Ruhe und des Durchatmens. Sie ist auch Radwegekirche und somit ein Ziel für Radtouristen, die beispielsweise auf dem Leine-Heide-Radweg oder dem Rhume-Leine-Erlebnispfad unterwegs sind. Für Radfahrende steht ein gastfreundlich gestaltetes Außengelände mit geeigneten Abstellmöglichkeiten für Fahrräder mit Gepäck zur Verfügung.

 

© Fotos 1 und 2: Ralf König, Foto 3: Christian Steigertahl

St. Aegidien bekommt eine neue Orgel

Osterodes Marktkirche bekommt eine neue Orgel. Daher gleicht St. Aegidien derzeit in den Innenräumen einer Baustelle. Ein nach barocker Orgelbaukunst gebautes Instrument aus der belgischen Orgelbauwerkstatt „Manufacture d’orgue de Bruxelles“ von 1993 wir installiert. Dafür muss allerdings zunächst die Vorgängerorgel ausgebaut werden.

Die aus dem Mittelalter stammende Stadtkirche wurde nach dem großen Stadtbrand von 1545 wieder errichtet. Im Kirchturm an der Westseite befand sich noch bis 1936 die Wohnung des Turmwächters, der bei Feuer Alarm zu geben hatte. Im Inneren der Kirche gehören eine hölzerne Kassettendecke aus dem 16. Jahrhundert, ein holzgeschnitzter Taufständer von 1589 und der Barockaltar zu den Besonderheiten. Im Chorbereich sind de letzten Welfenherzöge von Braunschweig-Grubenhagen und ihre Frauen beigesetzt.

Wer den 64 Meter hohen Turm besteigen möchte, um einen weiten Blick über die Stadt zu bekommen, kann sich jeden 2. und 4. Samstag im Monat (Mai-Oktober) entweder um 10 Uhr einer Stadtführung mit anschließender Kirchturmbesichtigung anschließen oder um 11 Uhr einer Turmbesteigung mit einem Kichenführer und auf dem Weg nach oben das Läutewerk und das Türmerzimmer besichtigen.

Foto 1 ©: Kirchenkreis Harzer Land; Foto 2 ©: Stadt Osterode am Harz; Foto 3 ©: Fachwerk5Eck

Mehr spannendes in der Broschüre „Die historischen Stadtkerne im Fachwerk5Eck – Städtebauliche Entwicklung und Stadtgestalt im Wandel der Jahrhunderte“ von Autor Elmar Arnhold. Kostenlos erhältlich in den Tourist-Informationen oder als Download!

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