Eine Besonderheit der Häuser in Duderstadt für alle Fachwerkliebhaber: reiche Zierformen, kunstvolle Fächerrosetten, durchdachte Inschriften – typische Merkmale der Fachwerk-Renaissance. Um den Zeitraum des 16. Jahrhunderts wurde Fachwerk nicht nur konstruktiv gedacht, sondern immer stärker zur gestalterischen Bühne. Holz wurde zum Schmuck, die Fassade zur Visitenkarte.
Fächerrosetten an Fachwerkhäusern haben sich insbesondere in der Frührenaissance einer großen Beliebtheit erfreut. So konnte man sie um 1550 herum auch in Duderstadt an fast jeder Hausfassade finden.
Eine ganz außergewöhnliche Variante zeigen die Duderstädter Fächerrosetten: der rahmende halbkreisförmige Holzstab endet nicht, wie an anderen Orten, abrupt am Fußende, sondern setzt sich noch beidseitig in der Waagerechten fort. So sieht es aus wie ein Omegazeichen, welches einen religiösen Hintergrund aufweist, da Jesus mit Alpha und Omega den Anfang und das Ende symbolisierte.
Duderstadt war nämlich im Jahre 1550 zu 80% lutherisch gesinnt, rein offiziell immer noch katholisch. Mit dem Omegazeichen am Haus wollten die Duderstädter damals ihren christlichen Kontext darstellen.
Diese Einmaligkeit lässt sich nur in Duderstadt finden.
