Die Zeit des Barock begann mit dem verheerenden Dreißigjährigen Krieg (1618-1648). Das reiche und günstig gelegene Northeim war stark umkämpft. Über ein Jahr lang hielten die Bürger den feindlichen Belagerern und ihrem Beschuss stand. Von den Wäldern abgeschnitten, mussten sie sich dabei auf anderem Wege Feuerholz besorgen: So mussten die Northeimer viele ihrer prächtigen Fachwerkbauten aus der Hanse- und Renaissancezeit selber „verfeuern“ und in den steinernen Kellern hausen. Nach dem Krieg lief der Wiederaufbau der ausgeplünderten Stadt nur schleppend und zeichnete sich – statt durch barocken Prunk – durch schlichte Neubauten aus.
Nirgends sieht man das besser als beim einstigen St.-Blasien-Kloster direkt am Northeimer Münsterplatz: Bereits vorher hatte die Reformation den Neubau des katholischen Klosters gestoppt. Nach dem Dreißigjährigen Krieg trugen die Bürger das Material zum Ausbessern von Schäden ab – ein Kloster wurde zum Steinbruch. Nur die Kellergewölbe, eine Kirchenwand und Teile von Nebengebäuden blieben erhalten.
Auf den Ruinen wurden neue Bauten errichtet – die Fachwerkgeschosse und der Dachstuhl auf dem Südflügel kamen sogar erst nach 1730 hinzu. Trotz der schlichten Bauweise deuten einzelne Stilelemente wie bogenförmige Tür- und Fensterstürze oder der Dachreiter – das „Glockentürmchen“ – mit abgerundeter Haube die barocke Vorliebe für geschwungene Formen an. Heute lässt sich an der Fassade am Münsterplatz gut der Unterschied zwischen der steinernen Kirchenwand des Mittelalters und dem Fachwerkaufbau der barocken Nachkriegszeit erkennen.
Tipp: Wer noch tiefer in den Barock und die Geschichte eintauchen will, kann vom 19. bis 20. September 2026 den Northeimer Klostermarkt besuchen: Dann beschwören Musketiere, Marketenderinnen und andere historisch Gewandete die Belagerung vor 400 Jahren wieder herauf.
