Breite Straße 37
Fachwerkhäuser der Renaissance zeichnen sich meist durch ihre kunstvollen Schnitzereien aus. Dabei sind wir gewohnt, dass Schmuckelemente und Profilierungen meist in leuchtendem rot, gelb oder grün bemalt sind, um sich farblich von den dunklen Balken abzuheben. Dieser als „Hildesheimer Manier“ bezeichnete Stil kam allerdings erst Ende des 19. Jhd. auf.
In der Renaissance war außenliegendes Fachwerk dagegen einheitlich schwarz, grau, rot, ocker oder überhaupt nicht bemalt. Die Bauzier an Balken, Knaggen, Füllholzern oder Brüstungsbohlen hoben sich nicht durch ihre Farbe, sondern durch ihre Plastizität ab: Durch das Spiel aus Licht und Schatten.
Das kann man unter anderem in Northeim am „Kassebeerschen Haus“ (Breite Straße 37) sehen. Das Braudielenhaus wurde 1566 errichtet. Ein für die Weserrenaissance typischer, zweigeschossiger Standerker (plattdeutsch: Utlucht) wurde um 1600 vorgebaut. Die gesamte Fassade ist dabei üppig dekoriert mit Fächerrosetten, Blendarkaden, Zahnschnittfriesen, Perlband- und Tauwerkschnitzereien sowie einer Spruchtafel. 1927 hatte man die Schnitzereien nach „Hildesheimer Manier“ bunt angemalt. Bei einer Sanierung im Jahr 2006 entschied man sich dann jedoch dafür, das Haus wieder dem bauzeitlichen Stil anzunähern: Das Fachwerk wurde durchgehend schwarz eingefärbt. Seitdem kommt viel besser heraus, dass die Zierelemente nicht bloß aufgepinselt, sondern plastisch herausgearbeitet sind. Und durch den unterschiedlichen Lichteinfall sieht die Fassade des „Kassebeerschen Hauses“ im Laufe eines Tages auch immer ein bisschen anders aus.
