Am 16. Januar 2022 gründeten – coronabedingt auf 25 Teilnehmer begrenzt – Einwohner und Unternehmen der kleinen Harzstadt die Bürgergenossenschaft Bad Grund. Über 100 weitere Zuschauer folgten der Veranstaltung im Livestream. Kurze Zeit später ist die Mitgliederzahl bereits auf über 50 angestiegen, rund 250 Genossenschaftsanteile à 100.- € gezeichnet. Unterstützung gab es von der Genossenschaft Mündener Altstadt, deren Vorstand Sabine Momm und Bernd Demandt nun auch Gründungsmitglieder im Harz sind.

Ein zwiespältiges Bild bietet die älteste Bergstadt des Oberharzes: Arbeitsplätze und junge Familien fehlen, viele Häuser verfallen, Geschäfte stehen größtenteils leer, Wanderwege sind unpassierbar. Der Grundner Kur- und Tourismusverein (KTV) agiert mit einem Notvorstand, steht vor der möglichen Auflösung. Gleichzeitig verzeichnete Bad Grund 2020 trotz Corona über 40.000 touristische Übernachtungen pro Jahr – Tendenz steigend! „Der Ruf nach der Politik ist da schnell gemacht. Doch die Verwaltung kann nicht alles lösen“, meint Nikolai Simon-Hallensleben, 1. Vorsitzender der Genossenschaft. Die Lösung entdeckte er in Hann. Münden bei der Bürgergenossenschaft Mündener Altstadt.

Was ist der konkrete Plan der Bürgergenossenschaft? „Wir möchten ein denkmalgeschütztes Haus direkt am Marktplatz, welches seit 30 Jahren leer steht, in Eigenleistung und gemeinsam mit örtlichen Handwerkern sanieren“, erläutert der 2. Vorsitzende Sebastian Engelhard. Eine mehrköpfige Konzeptgruppe aus Bad Grund hat mit der Seesener Architektin Anke Engwicht den Plan erarbeitet: Im Erdgeschoss soll ein Frühstückscafé entstehen, mit Außengastronomie auf dem Marktplatz, daneben ein „shared-spaces“-Laden für regionale Anbieter. Im Obergeschoss sind Ferienwohnungen geplant. „Denn die Genossenschaft soll Geld verdienen. Die Anteile der Mitglieder stellen nur das Startkapital.“

Das Projekt erhält vor Ort viel Unterstützung. „Für den Aufsichtsrat konnten wir einen großen Hotelier aus Bad Grund gewinnen, ebenso den Bürgermeister der Gemeinde, die beiden regionalen Banken und einen Grundner Anwalt & Notar“, freut sich Nikolai Simon-Hallensleben. Fünf örtliche Handwerksbetriebe zeichneten jeweils 10 Anteile, weitere 50 die Volksbank im Harz eG. Und auch die Grundner Bürgerschaft engagiert sich. Schon rund 100 Personen haben ihre Unterstützung bei Entkernung, Umbau und Sanierung zugesichert. „Die werden wir auch brauchen“, betont Sebastian Engelhard. Denn das Gebäude habe zwar ein dichtes Dach und eine nahezu intakte Hülle. „Aber es gibt weder Heizung noch Wasserversorgung, die Elektrik ist marode, die Fenster veraltet, die Innenaufteilung ungeeignet.“ Im nächsten Schritt stehen nun konkrete Kaufverhandlungen an. „Was hier passiert, ist beispielgebend“, kommentiert der Gemeindebürgermeister Harald Dietzmann.

Links zum Projekt:
www.bergstadt-versetzt-berge.de
Beitrag bei Hallo Niedersachen

Weitere Initiativen der Region im Portrait:
https://www.wohnraum5eck.de/buergerschaft-aktiv/

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